Nachdem Borussia Mönchengladbach im Dezember mit einem deutlichen Sieg über den FC Schalke 04 ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen war und die Hinrunde der Bundesliga überraschenderweise als vierter abgeschlossen hatte, deutete vieles auf eine ruhige und konzentrierte Winterpause hin. Dies galt allerdings nur bis zum Ende des Winterurlaubs.
Marco Reus ließ kurz nach Trainingsauftakt die Bombe Platzen und verkündete seinen Wechsel im Sommer zur anderen Borussia aus Dortmund. Kurz darauf folgte Roman Neustädter mit seinem Wechsel zum FC Schalke 04. Für die Medien natürlich ein gefundenes Fressen. Wie die wilden Tiere stürzte sich die Klatschpresse auf das Team von Lucien Favre. Die wildesten Spekulationen um weitere Abgänge und den kompletten Zerfall der Mannschaft wurden laut.
Die Mannschaft ließ sich davon jedoch kaum beirren und wollte die Antwort am ersten Spieltag gegen den FC Bayern auf dem Platz geben. Vom Rekordmeister waren kurz vor der Partie ebenfalls Sticheleien und Prahlereien zu vernehmen. So warf man Marco Reus vor, er würde nur zum BVB wechseln, da er sich die Aufgabe beim FC Bayern nicht zutrauen würde. Ebenso waren sich die Bayern des Sieges über die vermeintlich verunsicherten Gladbacher Fohlen sicher: Man habe eine grandiose Vorbereitung gespielt und man wollte sich im Rennen um die Meisterschaft direkt von der Konkurrenz aus Dortmund und Gelsenkirchen absetzen.
Am Freitagabend war es dann endlich so weit. Der große FC Bayern München traf zum Rückrundenauftakt auf die Fohlenelf aus Mönchengladbach. Für viele Experten war dieses Spiel schon vor dem Anpfiff entschieden. Man fragte sich nur in welcher Weise die Fans ihre Mannschaft bereits vor dem Spiel durch Pfiffe und Plakate gegen Reus und Neustädter verunsichern würde.
Diese Horror-Szenarien blieben jedoch aus. Die Stimmung im Stadion war wie zuletzt großartig und es wurden keinerlei Stimmen gegen die beiden Abgänge laut. Im Gegenteil: bei Vorstellung der Mannschaft gab es wie zuletzt viel Applaus für das ganze Team. Die Fans waren sich sicher: an diesem Abend war einiges für die Borussia aus Mönchengladbach drin.
Nach einem etwas nervösen Start beider Mannschaften war es dann eben dieser Marco Reus, der einen Patzer von Manuel Neuer in der 11. Spielminute eiskalt ausnutzte und zum 1:0 vollstreckte. Der Keeper der Bayern wurde zuvor von Patrick Herrmann bedrängt und spielte einen Fehlpass direkt in die Füße von Marco Reus. Die Entsprechende Antwort blieben die Bayern lange Zeit schuldig und bis auf einen gefährlichen Kopfball von Mario Gomez, den Keeper Marc Andre ter Stegen grandios abwehrte, kam von den Gästen nicht viel auf’s Gladbacher Tor. So war es Patrick Herrmann, der nach einem wunderschönen Konter über Mike Hanke zum 2:0 Halbzeitstand netzte.
Nach dem Seitenwechsel vermuteten viele ein Aufbäumen der Bayern, die zwar mit extrem viel Ballbesitz glänzten, dennoch offensiv keinerlei Akzente setzen konnten und zu viele Fehler produzierten. So lief das Spiel über weite Strecken der zweiten Halbzeit vor sich hin, ehe erneut Patrick Herrmann nach einem schnellen Konter und perfekter Vorarbeit von Marco Reus in der 71. Minute zum 3:0 vollstreckte.
Oktoberfestgesänge schallten durch den Borussia Park. Der Stimmung tat auch das 3:1 durch Bastian Schweinsteiger in der 76. Minute keinen Abbruch und dies war auch gleichzeitig der Entstand. Borussia Mönchengladbach hatte den großen FC Bayern München also zum zweiten Mal in dieser Saison geschlagen und hat nun die aktuell beste Defensive der Liga mit nur zwölf Gegentoren nach dem 18. Spieltag. Gefühlte 30 Minuten nach Abpfiff war immer noch eine wahnsinnige Stimmung im Stadion – die Fans gröhlten die Hymne “Die Seele brennt” und feierten ausgelassen mit der Mannschaft.
Es war das von kaum jemandem erwartete Ausrufezeichen der Mannschaft von Lucien Favre, der seine Jungs perfekt eingestellt hatte. Genau diese Reaktion hatte man gebraucht, um die passende Antwort auf die Spekulationen im Vorfeld zu geben. Nun kann man sich entspannt auf die kommende Aufgabe in Stuttgart vorbereiten. Von einer Änderung des Saisonziels will in Gladbach übrigens weiterhin niemand etwas wissen, man behält das gesunde understatement bei und will weiter von Spiel zu Spiel blicken.
Der FC Bayern hingegen suchte die Schuld für die Niederlage wieder einmal nicht bei sich selbst. So schob Bastian Schweinsteiger die Ursache auf die schlechten Platzverhältnisse in Gladbach. Einzig Manuel Neuer stand öffentlich zu seinem Patzer, Trainer Jupp Heynckes streute mit seiner ungewohnt öffentlichen Kritik an seinem Keeper sogar noch Salz in die Wunden des Nationaltorhüters.
Während die Bayern noch damit beschäftigt waren die Wunden von Freitag zu lecken, zogen die Konkurrenten aus Dortmund und Gelsenkirchen übrigens bereits nach und sind nun punktgleich mit dem FC Bayern. Einzig die Tordifferenz hält die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes aktuell noch auf Plaz eins. Die Meisterschaft bleibt also spannend.